Schulabsentismus

Schulabsentismus bezeichnet das wiederholte oder längerfristige, meist unentschuldigte Fernbleiben von schulpflichtigen Kindern und Jugendlichen vom Unterricht. Es handelt sich dabei nicht nur um das klassische «Schwänzen», sondern umfasst verschiedene Formen des Fehlens wie z.B.: 
Schulschwänzen (absichtliches, unentschuldigtes Fernbleiben)
Schulverweigerung (aktive Ablehnung des Schulbesuchs)
Schulangst oder Schulphobie (Fehlen aus Angst vor der Schule oder Trennung von Bezugspersonen)
Elternbedingtes Fernhalten (wenn  Eltern ihre Kinder aus unterschiedlichen Gründen nicht zur Schule schicken) 

Schulabsentismus ist ein komplexes Phänomen mit vielfältigen Ursachen, die im individuellen, familiären, schulischen oder gesellschaftlichen Bereich liegen können. Es kann schwerwiegende Folgen für die persönliche, schulische und berufliche Entwicklung der betroffenen Kinder und Jugendlichen haben und erfordert daher gezielte Präventions- und  Interventionsmassnahmen. 

Ab wann besteht Handlungsbedarf?

Bei auffälligen Absenzen Ihres Kindes bezüglich Häufigkeit, Plausibilität  und/oder Dauer ist genaueres Nachfragen angezeigt. Äusserungen von Schulunlust, psychosomatische Symptome (Kopf- und Bauchschmerzen etc.) und verweigernder Arbeitshaltung können als Vorzeichen eines beginnen den Schulabsentismus verstanden werden.

Früherkennung

Erste Schritte

  • Sprechen Sie Ihr Kind in einer «unbelasteten» Situation auf Ihre Beobachtung und Ihre Sorge an.
  • Bieten Sie Ihre Unterstützung bei der Lösung von geschilderten Problemen an.
  • Kontaktieren Sie die Klassenlehrperson und schildern Sie Ihre Beobachtungen und Sorgen.
  • Suchen Sie gemeinsam mit der Lehrperson nach Unterstützungsmöglichkeiten für Ihr Kind.

Wichtig zu wissen

Krank oder gesund?

Für Eltern ist es nicht immer einfach zu beurteilen, ob Schmerzen so gross sind, dass sie ein Zuhausebleiben rechtfertigen. Sind Sie wiederholt in schwierige Diskussionen mit Ihrem Kind verwickelt, kontaktieren Sie Ihren Haus- oder Kinderarzt. Besprechen Sie dort offen die Situation und veranlassen Sie die nötigen medizinischen Abklärungen. Haben Sie die Einschätzung, dass Ihr Kind Schmerzen oder Unwohlsein vorgibt, um den Schulbesuch zu vermeiden?

Schulangst

Angst entwickelt in kurzer Zeit eine Eigendynamik. Vermeiden vergrössert die Angst. So können Sie vorgehen, wenn Ihr Kind immer wieder Ängste bezüglich Schulbesuch äussert:

  1. Gibt es einen konkreten Grund für die Angst? Suchen Sie zusammen mit Ihrem Kind/Jugendlichen und der Klassenlehrperson konkrete Handlungen und Möglichkeiten, welche die Angst verkleinern.
  2.  Ist die Angst diffus? Lässt sich keine Erklärung für die Angst finden? Erklären Sie Ihrem Kind, dass es normal ist, manchmal Angst zu haben. 
  3.  Erklären Sie Ihrem Kind, dass es bei Angst sehr wichtig ist, den Schulbesuch nicht zu vermeiden. Erklären Sie, dass sich die Angst durch Vermeidung vergrössert. 
  4. Suchen Sie zusammen mit Ihrem Kind und der Klassenlehrperson nach Möglichkeiten, das Gefühl von Sicherheit zu vergrössern. Oft hilft es schon, wenn das Kind weiss, dass auch die Lehrperson darüber Bescheid weiss und Verständnis für Ihr Kind hat. 
  5. Ihr Kind schämt sich und möchte nicht, dass Sie mit der Lehrperson Kontakt aufnehmen. Erklären Sie dem Kind, dass die Lehrperson ein grosses Interesse daran hat, dass es den Kindern in der Schule gut geht und sie gerne zur Schule kommen. Sagen Sie dem Kind auch, dass die Klassenlehrperson bestimmt schon öfter Kinder darin unterstützt hat, eine Angst zu überwinden

Haben Sie Fragen? Brauchen Sie Unterstützung?

Vermeiden Sie lange Gespräche über den Sinn des Zur-Schule-Gehens. Der Schulbesuch ist der «Job» des Kindes, da gibt es keinen Diskussions spielraum. Es gilt die gesetzliche Schulpflicht. Nur weigert sich ihr Kind regelmässig, die Schule zu besuchen, kann die Unterstützung durch andere Bezugspersonen womöglich hilfreich sein. Bei anhaltenden Erziehungsschwierigkeiten oder einer belasteten Eltern-Kind-Beziehung können Fach stellen beigezogen werden (Bsp. Schulsozialarbeit, Schulpsychologischer Dienst, Familienhilfe oder Amt für Soziale Dienste). Bei diesbezüglichen Fragen kann auch die Schulleitung behilflich sein.

Schulabsentismus ist für Sie als Eltern und für Ihr Kind eine grosse Belastung. Suchen Sie sich Unterstützung und arbeiten Sie mit der Schule (Klassenlehrperson, Schulleitung und Schulsozialarbeit) und anderen Fachpersonen vertrauensvoll zusammen. Arbeiten Sie gemeinsam am gemeinsamen Ziel: der regelmässige, angstfreie Schulbesuch Ihres Kindes. Alle Fachpersonen aus Schule und Schulpsychologie beraten Sie kostenlos und vertraulich.

Rechtliche Grundlagen

Eine längere Absenz hat für Ihr Kind weitreichende Konsequenzen. Nebst einer Gefährdung der persönlichen Entwicklung stellt Schulabsentismus einen Verstoss gegen die gesetzliche Schulpflicht (Art. 88, Schulgesetz) dar. Dies verpflichtet die Schule und die Eltern, gemeinsam alle nötigen Massnahmen und Unterstützungen in die Wege zu leiten, um den Schulbesuch wieder zu ermöglichen

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