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>>> Quelle: Stabsstelle für Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit (SKOE)
Auf nach China 04.08.2008

Mit zwei Athleten ist Liechtenstein an der Olympiade in Peking vertreten. Seit 1936 nimmt das Fürstentum regelmässig an Olympischen Spielen teil. Während bei den Sommerspielen bisher noch keine Spitzenrangierungen erreicht werden konnten, gewannen die Skifahrer bei den Winterspielen bereits neun Olympische Medaillen.

Erbprinz Alois von Liechtenstein überreichte bei einem Empfang auf Schloss Vaduz den Athleten und den Delegationsmitgliedern die «Olympic Identity and Accreditation Card» und wünschte viel Erfolg in China. Liechtenstein ist an den Olympischen Spielen in Peking mit zwei Sportlern vertreten: Marcel Tschopp wird beim Marathon an den Start gehen, während Oliver Geissmann bereits die dritte Olympiade bei den Schützen bestreitet. Medaillenhoffnungen der zwei Athleten bestehen keine, doch hat sich Liechtensteins Olympischer Sportverband LOSV das Ziel gesetzt, dass Tschopp und Geissmann in den ersten zwei Dritteln der Rangliste aufscheinen. Liechtenstein ist auch im Olympischen Jugendlager in Peking mit zwei Jugendlichen vertreten: Selina Pfister bestreitet Leichtathletik, Simon Beck geht als Schwimmer an den Start. Das unter der Schirmherrschaft der Olympischen Bewegung organisierte Jugend-Camp versteht sich als Treffpunkt multikultureller Begegnung, das parallel zu den Olympischen Spielen organisiert wird.

Liechtenstein befasste sich im Vorfeld von Olympia mit einem möglichen Boykott der Olympischen Spiele in Peking, um ein Zeichen der Menschenrechtspolitik zu setzen. Prinzessin Nora von Liechtenstein, Mitglied des IOC, des Internationalen Olympischen Komitees, zeigte sich erleichtert, dass von einem Boykott abgesehen wurde. Die Olympischen Spiele seien 2001 nicht zuletzt deshalb nach Peking vergeben worden, weil damit die Hoffnung bestehe, dass sich China weiter öffne und dass die Olympiade positive Veränderungen im Reich der Mitte hervorrufen könne. Ein Boykott hätte nach ihrer Meinung nur die Sportler bestraft, die sich zum Teil jahrelang auf dieses ausserordentliche sportliche Ereignis vorbereitet hätten. Dass nur zwei Athleten die Olympia-Limite geschafft haben, wird für den LOSV Ansporn sein, sowohl den Breiten- wie auch den Spitzensport stärker zu fördern. Mit Steffi Vogt hatte noch eine dritte Athletin das Ticket für Peking, doch musste die Tennisspielerin aufgrund einer Verletzung auf die Teilnahme verzichten.

Früher waren wesentlich mehr Olympia-Teilnehmer aus Liechtenstein mit dabei. In Seoul 1988 trat Liechtenstein mit zwölf Sportlern in fünf verschiedenen Sportarten an, in Los Angeles 1984 und Barcelona 1992 waren es jeweils sieben Olympia-Teilnehmer. Bei der erstmaligen Teilnahme Liechtensteins an Olympischen Spielen 1936 waren insgesamt sechs Athleten nach Berlin gereist, die in den Disziplinen Schiessen, Radfahren und Leichtathletik starteten. Die damals Startenden, die nur wenige Gelegenheiten hatten, sich in ausgebauten Sportstätten vorzubereiten, schieden bereits in den Vorläufen aus oder erreichten nur Rangierungen auf den hinteren Plätzen. Die Teilnahme Liechtensteins an den Olympischen Spielen in Berlin, wie vorher schon an den Winterspielen in Garmisch-Partenkirchen, entsprang weniger sportlichen Überlegungen als der Bestätigung der Eigenstaatlichkeit gegenüber dem Deutschen Reich und dem Aufbau von Kontakten zu Hitler-Deutschland. Die Initiative für die liechtensteinische Olympia-Teilnahme ging nach Darstellung des Historikers Peter Geiger im Frühjahr 1935 von Baron Woldemar von Falz-Fein aus, der als ukrainischer Emigrant in Berlin wohnte, das liechtensteinische Bürgerrecht erworben hatte, dem Hitler-Regime freundlich gesinnt war und auf Befreiung der Ukraine hoffte. Bei der Regierung stiess die Idee auf Interesse, ein Nationales Olympisches Komitee wurde gegründet und ein entsprechender Antrag beim Internationalen Olympischen Komitee gestellt, das schon am 29. Juli 1935 die Zustimmung erteilte. Sowohl die einheimische wie die ausländische Presse nahmen die Liechtenstein-Initiative positiv auf, weil Liechtenstein damit für sich Werbung machen könne und die Gelegenheit erhalte, im Ausland zwar als kleiner, jedoch souveräner Staat aufzutreten.

Die Teilnahme an der Olympiade in Berlin war gleichbedeutend mit der Teilnahme an der Inszenierung der Olympischen Spiele für das Deutsche Reich. Xaver Frick, der als Leichtathlet die Farben des Fürstentums Liechtenstein vertrat, beschreibt in seinen Erinnerungen die zu erfüllenden «Repräsentationspflichten». Gleich bei der Ankunft der Sportler wurde im olympischen Dorf die liechtensteinische Hymne gespielt und die Flagge gehisst. Anschliessend legte auch die liechtensteinische Delegation in einer feierlichen Zeremonie am Reichs-Ehrenmal einen Kranz nieder. Man habe bei diesem Zeremoniell, erinnert sich Frick, auch «unfreiwillig Bekanntschaft» gemacht mit dem «Deutschen Gruss». Ursprünglich war geplant, während der Olympischen Spiele auf der politischen Ebene ein umfangreiches Kontaktprogramm mit hochkarätigen Persönlichkeiten zu absolvieren. Thronfolger Franz Josef und Regierungschef Josef Hoop sollten zuerst der Eröffnungsfeier beiwohnen, dann mit Nazi-Grössen wie Propagandaminister Joseph Goebbels, SS-Chef Heinrich Himmler sowie Reichsmarschall Hermann Göring zusammen kommen und sich ins Besuchsbuch bei Reichskanzler Adolf Hitler eintragen. Das geplante diplomatische Kontaktprogramm kam jedoch nicht zur Ausführung, weil Regierungschef Hoop gar nicht zu den Spielen reiste und Thronfolger Franz Josef nur als Privatmann teilnahm.

Die Teilnahme von 49 Ländern bedeutete Rekordteilnahme an den Olympischen Spielen in Berlin. Neben Liechtenstein waren auch Afghanistan, Bermuda, Costa Rica und Bolivien erstmals an einer Sommer-Olympiade mit dabei. Haiti war mit einem Sportler gemeldet, verzichtete dann aber auf eine Teilnahme. Trotzdem scheinen die liechtensteinischen Delegationsmitglieder im Flaggenmeer erspäht zu haben, dass sowohl Liechtenstein wie Haiti eine fast identische Flagge mit den Farben blau-rot haben. Ein knappes Jahr später, am 24. Juni 1937, befasste sich das liechtensteinische Parlament mit der Frage, wie die Verwechslungsgefahr der Flaggen Liechtensteins und Haitis gebannt werden könnte. Fürst Franz Josef II. hatte den Wunsch geäussert, in das blaue Feld der Flagge die Fürstenkrone in Gold zu stellen. Oppositionskreise wollten anstelle der goldenen Fürstenkrone ein Kreuz als Unterscheidung einfügen, doch setzte sich schliesslich die Variante Fürstenkrone mit 12 von 15 Stimmen durch.


 
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