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Homosexuelle Menschen sind auch in Liechtenstein Diskriminierung und Stigmatisierung ausgesetzt. Dies hat die im Rahmen des „Europäischen Jahres der Chancengleichheit für alle“ (2007) durchgeführte Befragung zu Homosexuelle Menschen und Diskriminierung in Liechtenstein (190 KB) aufgezeigt. Die Untersuchung wurde mittels zweier Befragungen erstellt: Das Institut für Markt– und Meinungsforschung Dr. Berndt in Göfis (A) führte eine face-to-face Befragung bei 417 Personen in Liechtenstein durch. Über die Gruppe Flay wurde eine Online-Umfrage bei Personen, die schwul bzw. lesbisch sind, durchgeführt. Die Zusammenführung und Auswertung der beiden Untersuchungen übernahm Jen Wang vom Institut für Sozial- und Präventivmedizin der Universität Zürich.
Homosexuelle Menschen stellen etwa 2 bis 5% der Gesamtbevölkerung dar. Es kann somit davon ausgegangen werden, dass in Liechtenstein zwischen 700 bis 1750 schwule Männer und lesbische Frauen leben. Dies entspricht in etwa der Bevölkerung einer kleineren Gemeinde wie Schellenberg oder Gamprin. Diskriminierung aufgrund der Herkunft erhält von der liechtensteinischen Bevölkerung mit 53 Prozent den höchsten Wert. An zweiter Stellte folgt Diskriminierung aufgrund sexueller Orientierung mit 36 Prozent. Im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung sind in Liechtenstein doppelt so viele Homosexuelle (71%) der Meinung, dass Diskriminierung aufgrund sexueller Orientierung verbreitet sei. Die Diskriminierung augrund sexueller Orientierung ist eine der wichtigsten Diskriminierungsformen in Liechtenstein. Eine Minderheit der liechtensteinischen Bevölkerung gibt an, dass sie weniger gut wie andere Leute behandelt wird, auch wenn dies nur selten passiert. Die Mehrheit (58%) der homosexuellen Befragten hingegen müssen sich in ihrem Alltag deplatzierte Witze anhören, 61 Prozent spüren, dass von ihnen weniger gehalten wird und 68 Prozent erleben eine verspannte Haltung ihnen gegenüber.
Im internationalen Vergleich
50 Prozent der Bürger/innen in der Europäischen Union sind der Meinung, dass Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung verbreitet ist. In der EU ist weniger als die Hälfte der Bürger/innen (45%) der Meinung, dass in ihrem Land genug gegen alle Arten von Diskriminierung unternommen werde. In Österreich (61%) und in Liechtenstein (64%) sind fast zwei Drittel dieser Meinung. Hingegen vertraten nur 4 Prozent der befragten homosexuellen Menschen in Liechtenstein die Meinung, dass die Anstrengungen gegen alle Arten von Diskriminierung genügend seien.
Stigmatisierung am Arbeitsplatz
Die Untersuchung zeigt auf, dass es für eine grosse Mehrheit (67%) in Liechtenstein schwierig ist, wenn homosexuelle Menschen am Arbeitsplatz ihre sexuelle Orientierung bekennen. Auch eine grosse Mehrheit (58%) stimmt der Aussage zu, dass Homosexualität immer noch tabuisiert wird. Liechtenstein bewegt sich damit im Europäischen Schnitt: So stimmen zum Beispiel in der Europäischen Union 68 Prozent im Nachbarland Österreich 63 Prozent zu, dass es für homosexuelle Menschen schwierig ist, am Arbeitsplatz ihre sexuelle Orientierung zu bekennen. In Liechtenstein stimmen 93 % der befragten Homosexuellen der Schwierigkeit eines Coming-outs am Arbeitsplatz zu. 87 % sind der Meinung, dass Homosexualität in Liechtenstein ein Tabuthema ist. Diese soziale Diskriminierung und Stigmatisierung hat einen Einfluss auf die Gesundheit und stellt ein erhöhtes Risiko für Selbstmorde dar. 50 Prozent der homosexuellen Bevölkerung hatte schon einmal Selbstmordgedanken gehabt und 11 Prozent hatten schon einmal einen Suizidversuch unternommen. Ein Vergleicht kann mit Dänemark gezogen werden, da Dänemark eine ähnliche Selbstmordrate wie Liechtenstein aufweist. In Dänemark hatte 20 Prozent der männlichen Bevölkerung jemals Selbstmordgedanken und 3 Prozent führten jemals einen Selbstmordversuch aus.
Psychischer Stress ist eine weitere Folge von Benachteiligung und Vorurteilen gegenüber homosexuellen Menschen. So gab in der Untersuchung ein Drittel der Bevölkerung an, in den letzten vier Wochen hohen oder mittleren Stress erfahren zu haben. Bei den homosexuellen Menschen war es sogar gut die Hälfte. Dieses Phänomen wird auch „Minderheitenstress“ genannt und kann bei schwulen Männern und lesbischen Frauen nachgewiesen werden.
Die Untersuchung kann auch bei der Stabsstelle für Chancengleichheit bestellt werden (Tel. 00423 236 60 60).
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